Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 290517 - 29.05.2017
WSI-Datenbank liefert neue Daten zur Beschäftigung für den Rhein-Hunsrück-Kreis

Atypische Beschäftigung im Landkreis steigt. Zunahme besonders bei Teilzeit

DGB-Forderung nach Korrekturen bei Rente und Arbeitsmarkt gewinnt an Dynamik

Simmern/Boppard…“Wenn wir jetzt keinen Kurswechsel in der Rentenpolitik hinbekommen, können wir davon ausgehen, dass im Jahr 2030 die Hälfte aller gesetzlichen Renten auf die Höhe der Grundsicherung fallen werden – also auf Sozialhilfeniveau. Und das betrifft dann nicht nur Geringverdiener, sondern auch solche Menschen, die ihr Erwerbsleben lang durchschnittlich verdient und in die Rentenversicherung einbezahlt haben.“

Das war die zentrale Aussage bei den beiden Renten-Veranstaltungen des DGB-Kreisverbandes Rhein-Hunsrück in Simmern und Boppard.

Und: Kaum ein anderes Industrieland senkt das gesetzlich garantierte Rentenniveau so stark wie Deutschland. Um die Sozialbeiträge niedrig zu halten, hatte die Regierung Anfang des Jahrtausends entschieden, das Niveau der gesetzlichen Rente zu senken – von 53 Prozent auf unter 42 Prozent im Jahr 2045. Stattdessen sollten Beschäftigte privat mehr vorsorgen.

Doch heute ist klar, dass man den Lücken in der gesetzlichen Rente nicht privat hinterhersparen kann, schon gar nicht in Zeiten niedriger Zinsen und vor dem Hintergrund eines Arbeitsmarktes, der zwar auf den ersten Blick gut dasteht, auf den zweiten Blick aber geprägt wird durch ein hohes Maß an prekärer Beschäftigung, einem riesigen Niedriglohnsektor und weiter zunehmender atypischer Beschäftigung.

Letzteres gilt auch für den Rhein-Hunsrück-Kreis, was die neuesten Erhebungen des WSI, ein Institut der Hans-Böckler-Stiftung, belegen.

So ist zwar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit in den letzten Jahren im Landkreis gewachsen, „aber noch stärker hat die atypische Beschäftigung zugenommen“, mahnt Reinhold Rüdesheim, amtierender DGB-Kreisvorsitzender.

Er beruft sich dabei auf die neueste Auswertung der regionalen WSI-Datenbank zur atypischen Beschäftigung, die auch detaillierte Zahlen für den Landkreis enthält.

Der Anteil von Teilzeitstellen, Leiharbeit und Minijobs an der Gesamtbeschäftigung ist danach im Rhein-Hunsrück-Kreis erneut gestiegen und befindet sich nunmehr auf dem höchsten Stand seit 8 Jahren. Knapp 42 Prozent aller abhängigen Hauptbeschäftigungsverhältnisse (ohne Beamte und Selbständige) waren in 2016 solche atypischen Jobs, 2015 lag die Quote bei 41,4 Prozent, in 2008 waren es nur 36,2 Prozent.

„Insbesondere die Zahl der Teilzeitarbeit hat 2016 weiter zugenommen“, beschreibt der DGB-Vorsitzende den aktuellen Trend. In 2016 betrug der TZ-Anteil an allen abhängig Beschäftigten 22,5 Prozent, in 2015 lag er bei 21,7 Prozent und in 2008 nur bei 13,7 Prozent.

Teilzeitarbeit bedeute aber auch nur einen Teil-Lohn, der später zu noch geringeren Renten führt. Deshalb plädiert Rüdesheim: „Die Zunahme an atypischer Beschäftigung bei gleichzeitig sinkendem Rentenniveau in einer Region mit relativ niedrigem Lohnniveau wie dem Rhein-Hunsrück-Kreis wird für ganz viele direkt in die Altersarmut führen. Deshalb müssen wir sowohl bei der Rentenpolitik als auch am Arbeitsmarkt dringend die Weichen anders stellen.“

Das sah auch die Mehrheit der VeranstaltungsteilnehmerInnen in Simmern und Boppard so. Der DGB-Kreisverband wurde deshalb gebeten, mit den DirektkandidatInnen der Parteien zur Bundestagswahl einen Austausch zu organisieren, bei dem diese darlegen sollen, wie ihre jeweilige Partei der drohenden Altersarmut begegnen bzw. sie verhindern will. Dieser Aufforderung wird der DGB Kreisverband Rhein-Hunsrück nach den Sommerferien nachkommen.

Link zur Startseite der WSI-Datenbank: https://www.boeckler.de/wsi_5859.htm

Link zur Rentenkampagne des DGB: http://rente-muss-reichen.de

 


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