Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 011216 - 05.12.2016

Gewerkschafter und Zweckverband gemeinsam für den Ausbau der Bahn-Infrastruktur

 

Erstmals seit der Übernahme des Verkehrs an der Nahe durch die Vlexx trafen sich Ende November der Geschäftsführer des Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd, Herrn Michael Heilmann, und Vertreterinnen und Vertreter der DGB-Kreisvorstände Bad Kreuznach und Mainz-Bingen und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu einem Gespräch. Herr Heilmann und die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, darunter der DGB-Kreisvorsitzende Michael Simon und Torsten Bensing von der EVG, waren sich einig, daß die chaotische Anfangsphase mit Vlexx überwunden sei, viele alte und neue Probleme aber noch bestünden. Die Sichtweisen darauf waren nicht immer die selben.


Wie schon 2014 wurde dem Geschäftsführer des ZSPNV die Aufzeichnungen einer Pendlerin übergeben. Nur an einem von 21 Arbeitstagen gab es keine Verspätungen von fünf Minuten und mehr, was insbesondere auf weitere Anschlüsse von Bahnen und Bussen angewiesenen das Leben schwer macht. Die Gewerkschafter kritisierten zudem, daß viele Pendler und Reisende zu Stoßzeiten mit Stehplätzen vorlieb nehmen müssen und Flugreisende nicht wissen, wohin mit ihren Koffern. Die oft nicht funktionierenden Toiletten waren leider auch ein Thema.


Heilmann verwies darauf, daß gerade in den Stoßzeiten heute bis zu 640 Plätze mehr zu Verfügung stünden als früher. Die maximale Länge der Züge sei durch die Länge der Bahnsteige begrenzt. Eine weitere Verbesserung durch zusätzliche Züge scheitere u.a. daran, daß die Bahnstrecke zwischen Gau-Algesheim und Mainz völlig ausgelastet sei. Bezüglich der Forderung der Gewerkschaften an den Bund, hier drei- oder viergleisig auszubauen,
bestand Konsens. Leider fänden die Forderungen des Landes hier keinen Eingang in den Bundesverkehrswegeplan bedauerte auch Heilmann. Gravierende Verbesserungen, wie z.B. ein S-Bahn-Anschluß für Bad Kreuznach wären erst nach einer Elektrifizierung der Strecke möglich.


Der Zweckverband, Busbetreiber wie RNN und das zuständige Landesministerium seinen in Gesprächen über einen RLP-Bus-Takt, auch um Bahnen und Busse besser aufeinander abzustimmen. Einig war man bezüglich der Einrichtung neuer Haltepunkte z.B. in Niedernhausen und Bad Kreuznach. Wobei die Gewerkschafter den bei Planig mit Park-and-Ride-Gelände und Anschluß an die B 41 vorrangig vor einem an der Rheingrafenstraße in Bad Kreuznach sehen.

 

Teils kontrovers wurde über die Sicherheit in Zügen diskutiert, gerade von Eisenbahnern, die selbst Attacken bis zu körperlicher Gewalt ausgesetzt waren. Heilmann verwies darauf, daß mittlerweile in allen Zügen nach 19:00 Uhr Zugbegleiter seien. Der generelle Einsatz von Sicherheitspersonal aber erfordere mehr Regionalisierungsmittel, die der Bund aber nicht bereit stelle. Punktuell sei man in der Lage und willens zu reagieren, wenn Meldungen von Vorfällen Häufungen in gewissen Zügen oder Bereichen erkennen ließen.


Die Fragen danach, in welcher Höhe Vlexx in der Anfangsphase auf Entgelte wegen nicht erbrachter Leistungen verzichten oder gar Vertragsstrafen zahlen mußte, wollte Heilmann nicht mit Zahlen beantworten. Die Mittel seien ins laufende Geschäft des ZSPNV geflossen, der immer wieder ungeplante Leistungen erbringen müsse, z.B. beim Abtransport nicht immer unkomplizierter Fußballfans und der Reinigung und Reparatur der Züge danach.


Skeptisch zeigten sich die Gewerkschafter bezüglich der Fahrpläne für die ab Dezember von der Vlexx betriebenen Verbindungen von Koblenz nach Kaiserslautern. Diese seien „zu eng“, Haltezeiten zu kurz kalkuliert etc. Nach Meinung der Gewerkschafter würden die Betreiber vom Zweckverband nicht genug kontrolliert, auch wünsche man sich, daß dieser „lauter“ dort auftrete, wo es um den Ausbau der Infrastruktur und die Zuweisung staatlicher Mittel ginge.


Die Gespräche zwischen dem Zweckverband und den Gewerkschaften sollen fortgesetzt werden. Auch wenn keine Wunder zu erwarten seien, leisteten sie einen Beitrag zur Verbesserung der Situation für Pendler, Reisende und die Beschäftigten der Bahnen. Ein guter ÖPNV mit Bussen und Bahnen sei auch ein wichtiger Beitrag dazu, daß Menschen auch außerhalb von Ballungsgebieten nicht beruflich und gesellschaftlich abgehängt würden und auch dazu, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden.


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