Deutscher Gewerkschaftsbund

28.06.2017

Der Rentendebatte ein Geschlecht geben

Bad Kreuznacher Frauenbündnis gegen Altersarmut im Gespräch mit Malu Dreyer

Vertreterinnen des Frauenbündnisses gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach waren Ende Juni bei Malu Dreyer, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin, in der Staatskanzlei in Mainz zu Gast. Die insgesamt 12 Frauen aus örtlichen Verbänden, gewerkschaftlichen und kirchlichen Frauengruppen übergaben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin, die derzeit auch Präsidentin des Bundesrates ist, einen Forderungskatalog zur Bekämpfung von Armut im Alter, insbesondere bei Frauen

Vertreterinnen des Frauenbündnisses mit Malu Dreyer

DGB

Der Forderungskatalog ist das Ergebnis des Tribunals gegen Altersarmut von Frauen, zu dem das Frauenbündnis zum diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März eingeladen hatte. Die Dokumentation des Tribunals als Langfassung wurde ebenfalls der Ministerpräsidentin überreicht.

So fordern die Frauen u.a. eine lebensstandardsichernde Rente und die Anhebung des Rentenniveaus auf 50%. Dazu Hildegard Braun, Sprecherin der DGB-Frauen Bad Kreuznach: „Die Stärkung der gesetzlichen Rente ist insbesondere für Frauen wichtig, da sie aufgrund des geringeren Einkommens und der oft brüchigen Erwerbsbiographie nur wenig oder gar nicht in eine private Altersvorsorge einzahlen können.“ Auch seien viele Frauen derzeit aus dem Betriebsrentensystem ausgeschlossen, da die Mehrheit der Frauen in kleinen und mittleren Betrieben beschäftigt ist, in denen es keine Vereinbarungen zu Betriebsrenten gibt.

Die Ministerpräsidentin dankte dem Bündnis für seine Arbeit zu dieser Problematik und den Frauen für ihr Engagement. Der Landesregierung und ihr persönlich sei die wirksame und gezielte Bekämpfung der Armut aller Gruppen - vor allem auch von Frauen - ein besonderes Anliegen. Wichtig hierfür sei einerseits die Sicherung und Weiterentwicklung sozialstaatlicher Instrumente. Dazu gehöre eine armutsfeste und leistungsgerechte Rentenpolitik. „Das Rentenniveau muss auf einem moderaten Level gehalten werden. Allein die gesetzliche Rente wird jedoch nicht ausreichen. Wichtig ist auch die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Sie sollte auch dort etabliert werden, wo sie momentan noch nicht existiert“, so die Ministerpräsidentin.

Weitere Forderungen des Frauenbündnisses zielen auf die Aufwertung der sog. frauentypischen Berufe z.B. im Erziehungs- und Pflegebereich sowie auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ab, damit z.B. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im aktiven Erwerbsleben nicht mehr zur Armutsfalle im Alter wird. Dazu gehöre ein Rückkehrrecht in Vollzeit, das Ende von sachgrundlosen Befristungen bei Arbeitsverträgen und die Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro.

„Langfristig braucht es, wie vom Bündnis gefordert, vor allem die Entgeltgleichheit und eine gerechte Entlohnung von Frauen: Es gilt gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Dies sei ein wichtiger Teil der vollständigen Gleichberechtigung von Mann und Frau, für die die Landesregierung eintrete. „Das kürzlich eingeführte Entgelttransparenzgesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ganz wichtig ist jedoch auch die Aufwertung der sozialen Berufe, die das Bündnis fordert. Dem kann ich mich nur anschließen“, so die Ministerpräsidentin weiter.

Vor der Abfahrt nach Mainz am Bahnhof Bad Kreuznach

Vor der Abfahrt nach Mainz am Bahnhof Bad Kreuznach DGB

Mit den Forderungen im Zug auf dem Weg  zur Staatskanzlei

Mit den Forderungen im Zug auf dem Weg zur Staatskanzlei DGB

Beeindruckt zeigte sich die Ministerpräsidentin von dem breiten Spektrum des Bündnisses. „Ich finde bemerkenswert, wie bunt das Frauenbündnis aufgestellt ist: Hier finden sich Frauen ganz unterschiedlicher Bereiche, unter anderem von Gewerkschaften, Kirchen oder vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter“, betonte sie. „Ich danke dem Frauenbündnis für das Gespräch und die Impulse, die ich dadurch gewinnen konnte“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach ist auf Initiative der DGB-Frauen Anfang 2017 entstanden. Mitglieder sind neben den DGB-Frauen die Frauengruppen von IG Metall, NGG und ver.di, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Bad Kreuznach, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bad Kreuznach, die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) im Dekanat Bad Kreuznach, die Evangelische Frauenhilfe im Kirchenkreis an Nahe und Glan, die Wohnungslosenhilfe Stiftung kreuzacher diakonie Café BUNT, sowie das Projekt „inklusiv leben lernen“.

Das Ziel des parteipolitisch neutralen Frauenbündnisses besteht darin, das Ausmaß der Armut von Frauen insbesondere im Alter in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Dabei sollen die Bedingungen aufgezeigt werden, die zu Altersarmut insbesondere bei Frauen führen. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September will das Bündnis vor allen Dingen deutlich machen, was in Gesellschaft und Arbeitsleben geändert werden muss, um Altersarmut von Frauen in Zukunft zu verhindern, also politische Orientierungshilfe geben – insbesondere für Frauen.


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