Deutscher Gewerkschaftsbund

16.03.2016

Aufruf der DGB-Frauen Bad Kreuznach zum Equal Pay Day am 19. März 2016

Entgeltgleichheit auch im Landkreis Bad Kreuznach nicht gegeben

Was ist Ihre Arbeit wert? Entgeltgleichheit – verhandelbar?!

 

Equal Pay – also gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit - geht uns alle an. Einer aktuellen Befragung zufolge stimmen 90 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland dem Grundsatz zu, dass Frauen und Männer gleich entlohnt werden sollen. Die Lohnlücke in Deutschland beträgt jedoch nach wie vor 21,6 Prozent. Damit liegt Deutschland weiterhin unter den Schlusslichtern Europas.

Die Ursachen für die Entgeltlücke sind vielfältig: geschlechtsspezifische Muster bei der Berufswahl, ungleiche Bezahlung von gleichwertigen Tätigkeiten, eingeschränkte Karrierechancen, Teilzeitbeschäftigung und Brüche in der Erwerbsbiographie durch Familienpflichten. Diese Unterschiede schlagen sich zunächst in niedrigeren Einkünften für Frauen nieder und führen für viele zu einer Altersversorgung, die mehr als unzureichend ist.

Hildegard Braun, frauenpolitische Sprecherin des DGB-Kreisverbandes: „Wie hoch die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern, also der Gender Gap im Landkreis Bad Kreuznach in Ziffern ist, ist uns statistisch nicht bekannt. Betrachtet man aber den extrem hohen Anteil der Frauen an den prekären und atypischen Beschäftigungsverhältnissen im Landkreis, dann kann man erahnen, dass der Entgeltunterschied auch bei uns nicht nur existiert, sondern wahrscheinlich sogar sehr hoch ist“.

Denn: Insgesamt gehen 30.645 Frauen im Landkreis einem Beschäftigungsverhältnis nach. Weit über die Hälfte davon, nämlich 61,5 % arbeiten in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis (Teilzeit, Leiharbeit, Minijob). Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Teilzeitarbeit und bei den Minijobs.

In Abgrenzung zur Beschäftigungsstruktur der Männer bedeutet das: 75,6% der atypischen Beschäftigungsverhältnisse im Landkreis insg. sind durch Frauen besetzt. (Quelle: Datenbank der Hans-Böckler Stiftung und Stat. Bundesamt, Stand: 2014).

Hildegard Braun: „Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes hat hier den Frauen viel geholfen, da das Lohnniveau gerade in den Minijobs und den anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen insgesamt angehoben werden konnte.“

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DGB

 

Bei der Entgeltungleichheit kommt es aber auch darauf an, in welchen Branchen frau/man arbeitet. Viele Frauen – im Landkreis Bad Kreuznach zu über 80% - arbeiten im Dienstleistungsbereich und dort primär in den weniger gut bezahlten Berufen. Hildegard Braun: „Wir stellen fest, dass die Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, generell geringer bewertet und schlechter bezahlt werden als solche Tätigkeiten, die überwiegend von Männern ausgeübt werden – obwohl die Tätigkeiten selbst hinsichtlich der Anforderung und der Grad der Verantwortung oft gleichwertig sind. Das ist ungerecht und diskriminiert Frauen und ihre Arbeit.“

Auch deshalb steht die diesjährige Kampagne zum Equal Pay Day bundesweit unter dem Motto WAS IST MEINE ARBEIT WERT? Ziel ist es, für Entscheidungen und Konsequenzen im Lebensverlauf – von der Berufswahl bis zur Rente – zu sensibilisieren.

In Bad Kreuznach laden die DGB-Frauen gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Bildungs- und Beratungsgesellschaft Arbeit & Leben am Donnerstag, 21. April 2016, zu einem Vortragsabend mit der Referentin Dr. Paulina Jedrzejczyk ein. Das Thema lautet: „Entgeltgleichheit verhandelbar?!“. Die Veranstaltung richtet sich an Frauen, die sich bei der Selbsteinschätzung Ihrer Arbeit nicht von Vorurteilen beeinflussen lassen wollen. Sie richtet sich gleichermaßen aber auch an VertreterInnen von Unternehmen, denn praktizierte Lohngerechtigkeit ist nicht „nur“ ein Grundrecht, sondern auch ein knallharter Wirtschaftsfaktor. Schlagworte dabei sind z.B. „Pflegenotstand“ oder „Erziehermangel“.

Auf Bundesebene fordern die DGB-Frauen ein Entgeltgleichheitsgesetz und einen Rechtsanspruch zur Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit. Beides stehe im Koalitionsvertrag von SPD und CDU, so Hildegard Braun. Aber: „Wir an der Basis erwarten, dass diese beiden Vorhaben nun auch endlich umgesetzt werden. Schaufensterreden wurden genug gehalten.“

 

Der Equal Pay Day ist ein Aktionstag. Er markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell 21,6 % in Deutschland beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 79 Tage, die Frauen zum Jahresanfang umsonst arbeiten müssen: 21,6 Prozent von 365 Tagen = 79 Tage. Deshalb ist der Equal Pay Day 2016 am Samstag, 19. März.

In Deutschland wurde der Equal Pay Day auf Initiative der Business and Professional Women (BPW) Germany ins Leben gerufen. Seit 2009 finden alljährlich zum Equal Pay Day vielfältige Aktionen zum Thema Entgeltgleichheit statt, an der sich die DGB-Frauen beteiligen.

 

 

 

 


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