Deutscher Gewerkschaftsbund

08.02.2017

Frauenbündnis gegen Altersarmut gegründet - der Rentendebatte ein Geschlecht geben

 

Bad Kreuznach…Auf Initiative der DGB-Frauen hat sich Ende Januar in Bad Kreuznach das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach gegründet. Mitglieder sind neben den DGB-Frauen auch die Frauengruppen von IG Metall, NGG und ver.di, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Bad Kreuznach, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bad Kreuznach, die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) im Dekanat Bad Kreuznach, die Evangelische Frauenhilfe im Kirchenkreis an Nahe und Glan, die Wohnungslosenhilfe Stiftung kreuzacher diakonie Cafe BUNT, sowie das Projekt „inklusiv leben lernen“. 

Das Ziel des parteipolitisch neutralen Frauenbündnisses besteht darin, das Ausmaß der Armut von Frauen insbesondere im Alter in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Dabei sollen die Bedingungen aufgezeigt werden, die zu Altersarmut insbesondere bei Frauen führen. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September will das Bündnis vor allen Dingen deutlich machen, was in Gesellschaft und Arbeitsleben geändert werden muss, um Altersarmut von Frauen in Zukunft zu verhindern, also politische Orientierungshilfe geben – insbesondere für Frauen. 

Die Frauen im Bündnis sind sich einig: Ob Niedriglohn, Teilzeit, Erwerbsunterbrechung oder mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie – diskriminierende Bedingungen im Erwerbsleben führen Frauen in prekäre Beschäftigung mit geringem Einkommen. Darauf folgen Renten, die oft nicht zum Leben reichen. Deshalb sind die Stärkung der gesetzlichen Rente und eine Anhebung des Rentenniveaus dringend erforderlich. Denn ohne den Ausgleich, z.B. für familienbedingte Auszeiten, der nur in der gesetzlichen Rente möglich ist, bleiben Frauen schlicht auf der Strecke. 

Armut im Alter, von Gesellschaft und Politik bisher billigend in Kauf genommen, sieht das Bündnis als ein Verbrechen an den Frauen, die ihr Leben lang arbeiten, erziehen und pflegen. Das gehört angeklagt, vor Gericht gebracht und verurteilt. Deshalb lädt das Bündnis am 8. März, dem Internationalen Frauentag, unter dem Motto „Das Frauenbündnis klagt an…“ zu einem Tribunal gegen Altersarmut von Frauen ein.

 

 

Foto der Bündnisfrauen bei der Gründung des Frauenbündnisses gegen Altersarmut

R.Schmitt

 Hier Zitate einiger Bündnisfrauen zu der Notwenigkeit eines Frauenbündnisses gegen Altersarmut und zu ihrer Motivation, sich dort zu engagieren: 

Hildegard Braun, Sprecherin der DGB-Frauen: „Nach wie vor verdienen Frauen ca. 21 % weniger als Männer und arbeiten sehr häufig in schlechter bezahlten Berufen oder im Niedriglohnbereich. Dies trifft insbesondere hier im Landkreis Bad Kreuznach zu. Das führt zu kleinen Renten im Alter. Auch bleibt dabei am Ende des Monats für eine private oder betriebliche zusätzliche Altersvorsorge oft nichts mehr übrig. Dies führt zu drastischen Alterssicherungslücken von durchschnittlich 59 Prozent“. 

Marianne Münz, Referentin im Projekt inklusiv leben lernen: „Das Thema Altersarmut betrifft Frauen mit Behinderung noch sehr viel stärker. Altersarmut ist oft die Folge von Arbeitslosigkeit – und das ist ein Problem, von dem Menschen mit Behinderung besonders betroffen sind. Ihre Arbeitslosenquote ist mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Behinderte Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf bekommen Leistungen zur Teilhabe am Leben. Somit ist ein Einsparen für ein Leben im Alter schwierig.“  

Ingrid Altmaier, kfd-Dekanatsvorsitzende Bad Kreuznach: „Seit Jahren setzt sich die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) für Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern ein. So engagieren sich zahlreiche der rund 500.000 kfd-Mitglieder beim jährlich stattfindenden Equal Pay Day, dem internationalen Aktionstag, der auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern verweist. Frauen müssen statistisch gesehen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten, um das gleiche Jahresgehalt wie Männer "in der Tasche" zu haben, in diesem Jahr bis zum 18.03.2017 (Equal Pay Day). Das ist ungerecht. Deshalb machen wir beim Frauenbündnis gegen Altersarmut mit“. 

Renate Bodtländer, IG Metall-Frauen: „Wer sich als Frau in Deutschland für Familie entscheidet, kehrt danach meistens nicht auf die alte Vollzeitstelle zurück. Für Frauen ist das doppelt unfair, weil sie zunächst im Job den finanziellen Nachteil haben und später bei der Rente erst recht.“ 

Sabine Messer, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Bad Kreuznach: „Die Ehe ist keine Altersvorsorge mehr. Scheidung ist das größte Risiko für Altersarmut. Frauen sollten selbstbewusst und stärker an sich selbst denken und für ihre Unabhängigkeit sorgen. Das ist auch die beste Vorsorge für die Kinder. Ganz wichtig: Altersabsicherung darf es nicht nur für wenige geben. Wir müssen uns überlegen wie wir eine Existenzsicherung im Alter auch für die vielen verschiedenen weiblichen Lebensläufe erreichen können. Denn die Entscheidungen, die letztendlich zur Armut der Frauen im Alter geführt haben, sind oft nicht freiwillig, sondern meist bedingt durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. 

Sonja Orantek, Landesvorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV): „Qualitative Kinderbetreuungseinrichtungen mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten fehlen häufig, insbesondere auf dem flachen Land. Dies in Kombination mit Mini- und schlecht bezahlten Teilzeitjobs ist die Armutsfalle insbesondere für Alleinerziehende. 

Annette Köllmeier, verdi-Frauen: „Besonders bei Frauen darf sich die Rentenbemessung nicht allein auf Erwerbsarbeit beziehen. Viele Frauen leisten unentgeltliche Arbeit in der Familie, bei der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Die rentenrechtliche Absicherung muss bei der Pflege deutlich verbessert werden und für die Erziehung aller Kinder unabhängig vom Geburtsjahr gelten. Diese wertvollen Leistungen für die Allgemeinheit müssen aus Steuermitteln und nicht aus der Rentenkasse finanziert werden.“ 

Die Erfahrungen der MitarbeiterInnen von der Wohnungslosenhilfe Stiftung kreuznacher diakonie – Café Bunt sind die, dass prekäre Beschäftigungsverhältnisse und mangelnde Ausbildung oft zu prekären Wohnverhältnissen führen - bis hin zum Wohnraumverlust. Es folgen u. a. soziale Isolation und soziale Ausgrenzung. 

Birgit Glöckner, Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG): „Minijobs - typisch für viele Frauenbranchen, wie z.B. die Gastronomie oder das Bäckerhandwerk - führen die Frauen direkt in die Armutsfalle. Hier muss dringend eine Reform her.“ 

 


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