Deutscher Gewerkschaftsbund

15.03.2016

Offener Brief an Bundestagsabgeordnete Groden-Kranich (CDU)

Bild Vertrag

DGB / Simone M. Neumann

Offener Brief: Keine Beschäftigung zweiter Klasse

Rund eine Million Beschäftigte in Deutschland arbeiten auf der Basis von Leiharbeit oder Werkverträgen. „In der Konsequenz bedeutet das für die Beschäftigten in den meisten Fällen: Weniger Geld und kaum Sicherheit“, kritisiert Sebastian Hamann, Vorsitzender des DGB Kreisverbandes Mainz-Bingen. Unter der Überschrift „Missbrauch von Werkvertragsgestaltungen verhindern“ greift der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD zur 18. Legislaturperiode einen gesetzlichen Handlungsbedarf auf.

Der im Februar vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgelegte modifizierte Gesetzentwurf zur weiteren Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen wurde seitens der Union jedoch gestoppt und die vorgesehen Ressortabstimmung nicht eingeleitet. „Aus unserer Sicht ist der neue Entwurf nach Interventionen der Union bereits nur noch ein Minimalkonsens, der den Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes nicht umfassend gerecht wird und deutlich hinter den Erwartungen auf Basis des Koalitionsvertrags zurückbleibt“, betont Michael Roos, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes.

„Doch spätestens mit der Blockade dieses Gesetzentwurfs stellt die Union den Koalitionsvertrag an dieser Stelle gänzlich in Frage“, übt Hamann Kritik. Das bedeute, dass es für tausende Leiharbeiter im Land und die zahlreichen Werkvertragsbeschäftigten vorerst keine Verbesserungen geben wird und diese weiterhin schlechter bezahlt werden als die Stammbelegschaft.

Daher hat sich der DGB Kreisverband Mainz-Bingen in einem „Offenen Brief“ an die Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Granich (CDU) mit dem Appell gewandt, sich als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises 206 für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Region im Bundestag stark zu machen und auf eine gesetzliche Regelung zur Verhinderung des Missbrauchs von Leiharbeit und Werkverträgen auf Basis des Koalitionsvertrags zu drängen.

„Für uns darf es keine Beschäftigung zweiter Klasse geben“, betonen Hamann und Roos. „Der Einzug von Lohndumping und schlechten Arbeitsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt muss konsequent gestoppt werden.“


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