Deutscher Gewerkschaftsbund

30.10.2017
Thesenanschlag für den freien Sonntag an Heilig-Kreuz-Kirche in Bad Kreuznach

Sonntagsallianz fordert von OB und Stadtrat: Keine verkaufsoffenen Sonntage in 2018

Martin Luther alias Dr. Claus Clausen, evangelischer Stadtpfarrer,  verliest die sieben Thesen für den Freien Sonntag. Neben ihm seine Frau und der Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde, Monsignore Dr. Michael Kneib.

Martin Luther alias Dr. Claus Clausen, evangelischer Stadtpfarrer, verliest die sieben Thesen für den Freien Sonntag. Neben ihm seine Frau und der Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde, Monsignore Dr. Michael Kneib. DGB

Bad Kreuznach...Am Sonntag, dem 29. Oktober 2017, schlugen Mitglieder der lokalen Allianz für den freien
Sonntag Bad Kreuznach sieben Thesen für den Sonntag als allgemeinen Ruhetag an der Heilig-Kreuz-Kirche in Bad Kreuznach an. 

Das geschah zwei Tage vor dem Reformationstag, an dem 1517 - also vor 500 Jahren - Martin Luther seine 95 Thesen an der Schloßkirche zu Wittemberg anschlug.

Während sich damals Martin Luther gegen das Klimpern in den Kassen durch den Ablasshandel wendete, kritisierte die Allianz für den den freien Sonntag Bad Kreuznach mit den sieben Thesen das Klimpern in den Ladenkassen an Sonntagen

Auf dem Weg zur Kirchenpforte und zum Thesenanschlag

Auf dem Weg zur Kirchenpforte und zum Thesenanschlag DGB

Der freie Sonntag ist den einen ein Geschenk des Himmels, den anderen eine sozialpolitische Errungenschaft und vielen beides. Erst im November 2016 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, daß „der Sonn- und Feiertagsgarantie schließlich ein besonderer Bezug zur Menschenwürde beigemessen werden kann, weil sie dem ökonomischen Nutzendenken eine Grenze zieht und dem Menschen um seiner selbst willen dient.“

Die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) unterstrichen mit der Aktion ihre Forderung, entsprechend der vom Bundesverwaltungsgericht im Mai erneut bestätigten Rechtslage keine Sonntagsöffnungen der Verkaufsstellen im bisherigen Stil mehr zu genehmigen.

Der Anschlag der sieben Thesen für den Freien Sonntag an der Kirchentür der Heilig-Kreuz-Kirche Bad Kreuznach..

Der Anschlag der sieben Thesen für den Freien Sonntag an der Kirchentür der Heilig-Kreuz-Kirche Bad Kreuznach.. DGB

Unter dem Applaus von ca. 50 ZuschauerInnen schlugen der evangelische Stadtpfarrer Dr. Claus Clausen und der Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde, Minsignore Dr. Michael Kneib, die sieben Thesen der lokalen Sonntagsallianz an die Kirchentür.

Zentrale Forderung der Allianz an Oberbürgermeisterin und Stadtrat: Keine verkaufsoffenen Sonntage in 2018.

Daß die Gewerkschaft ver.di jetzt auf eine Klage gegen die Rechtsverordnung vom 11.11.2016 verzichtet habe, bedeute nicht, daß die Ladenöffnung am heutigen Mantelsonntag von ihr oder von der lokalen Allianz für den freien Sonntag als rechtens betrachtet werde. Mit dieser Rechtsverordnung waren drei Sonntagsöffnungen in 2017 genehmigt worden.

Die Allianz werde solche offenen Sonntage auch künftig nicht akzeptieren, sollten sie nicht den von den obersten Gerichten definierten Bedingungen für eine Ausnahmegenehmigung entsprechen.

Einen „Verhandlungsspielraum“ sieht die Allianz nicht. Sie sieht hier die kommunalen Genehmigungsbehörden in der Verantwortung, in Bad Kreuznach die lokale Stadtverwaltung. Sie habe geltendes Recht umzusetzen, und es könne nicht Aufgabe von Kirchen, kirchennahen Verbänden und Gewerkschaften sein, wie anderen Orts über Jahre erfolgreich zu klagen, bis die Verantwortlichen endlich die Rechtslage akzeptieren.

Die Allianz erwartet, dass in Bad Kreuznach auch ohne gerichtliche Klagen der verfassungsunmittelbare Sonntagsschutz garantiert werden wird.

Flaggen auf dem Weg zum Thesenanschlag

DGB

 

Sieben Thesen für den Freien Sonntag

 

  1. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Wahres Leben liegt nicht im Arbeiten, Kaufen und Verkaufen, sondern im Glauben, Lieben und Hoffen! - "Du sollst heiligen den siebten Tag, dass du und dein Haus ruhen mag; du sollst von dei'm Tun lassen ab, dass
    Gott sein Werk in dir hab." (Martin Luther, 1524)
  2. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: So wichtig die Arbeit auch ist - sie ist kein Selbstzweck, nicht das letzte Ziel des Lebens. Als Gott Himmel und Erde und alles erschaffen hatte, ruhte er am siebten Tag. Und er heiligte diesen Tag. Die Krone der Schöpfung ist die Ruhe in der Gegenwart Gottes!
  3. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Ohne den Ruhetag verlieren wir unseren menschlichen Lebensrhythmus. Nach der Befreiung des Volkes Israel aus der Zwangsarbeit in Ägypten schenkte Gott den Menschen die 10 Gebote - verbindliche Leitsätze für ein menschliches Leben in Freiheit. Darin heißt es an prominenter Stelle: "Du sollst den Ruhetag ehren!" Dieses Gebot gilt nicht nur Einzelnen, sondern Familie, Mitarbeitenden, Fremdlingen - sogar den Tieren! Alle sollen ruhen, um sich zu besinnen: Gott befreit zum
    Leben.
  4. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Es ist ein Tag der Hoffnung auf erneuertes Leben. Jesus wurde an einem Freitag gekreuzigt und an einem Sonntag von den Toten auferweckt. Die christlichen Kirchen feiern daher den Sonntag als Tag der Auferstehung. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest: Ein Tag der Hoffnung auf Versöhnung, Frieden und erfülltes Leben.
  5. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Zu Recht wird der Sonntag in unserer Verfassung geschützt als ein "Tag der Ruhe und der seelischen Erhebung." Wir kritisieren Tendenzen in unserer Stadt und unserer Gesellschaft, den Sonntag als Ruhetag in Frage zu stellen oder abzuschaffen.
  6. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Wir begrüßen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Mai 2017: "Die Ladenöffnung an einem Sonntag ist verfassungsrechtlich nur gerechtfertigt, wenn ein hinreichender Sachgrund für sie besteht. Das
    Umsatzinteresse der Verkaufsstelleninhaber und das "Shopping-Interesse" der Kunden genügen hierfür nicht." Der heutige "Mantelsonntag" hätte nach der vom Bundesverwaltungsgericht festgestellten Rechtslage nicht genehmigt werden dürfen.
  7. Wir machen uns für den freien Sonntag stark: Wir fordern die Oberbürgermeisterin und den Stadtrat auf, für das Jahr 2018 keine weiteren verkaufsoffenen Sonntage zu genehmigen.
Interview Domradio mit Volker Metzroth, Pressesprecher des DGB Bad Kreuznach, zum freien Sonntag https://youtu.be/vSurTPKl6a4

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