Deutscher Gewerkschaftsbund

12.03.2018
Das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach lud ein zur Suppenküche denn

Altersarmut schmeckt uns nicht!

am Internationalen Frauentag, um 5 vor 12, in der Fußgängerzone Bad Kreuznach

„Altersarmut schmeckt uns nicht!“  Unter diesem Motto lud das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach am 8. März 2018, dem Internationalen Frauentag, zur Suppenküche in die Bad Kreuznacher Fußgängerzone ein. Die Suppenauswahl war vielfältig und richtete sich gezielt an verschiedene Zielgruppen. So konnten gegen Vorlage eines Bezugsscheines

  • Verantwortliche in der Politik eine klare Brühe erhalten, damit sie endlich klar verstehen und handeln.
  • Für die gleiche Zielgruppe hielten die Frauen des Bündnisses eine Buchstabensuppe bereit denn: Das Rentengesetz muss neu durchbuchstabiert werden.
  • Und während den dicken Bossen ein mageres Süppchen angeboten wurde, denn Umverteilung von oben nach unten ist endlich angesagt,
  • erhielten Frauen zum Ausgleich eine Suppe mit fetten Gehältern, damit sie endlich das gleiche verdienen wie Männer oder
  • eine Suppe mit Karrierevitaminen, damit sie verstärkt in Führungspositionen kommen,
  • nicht zu vergessen die Kraftbrühe für Frauen, die unter Doppel- und Dreifachbelastung leiden und dann zum Lohn im Alter eine Minirente erhalten.

 

Bezugsscheine für Suppenküche

DGB

ARMUT nimmt zu – insbesondere bei Frauen, insbesondere im Alter, auch im Landkreis Bad Kreuznach. Die Sozialstatistik des Landkreises beweist es ebenso wie die Statistik der örtlichen Banken zu Kreditverhalten und Überschuldung in der Bevölkerung.

Laut DGB-Rentenreport Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2017 erhalten drei Viertel der rheinland-pfälzischen Frauen eine Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle (die liegt aktuell in RLP bei 996 Euro). Im Jahr 2016 war jede fünfte Frau über 65 Jahre in Rheinland-Pfalz von Armut bedroht (19,2%).

Die niedrigen Renten der Frauen sind der Spiegel ihres Erwerbslebens. Niedriglöhne in vielen der sog. Frauenberufen, deutliche Fehlanreize sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei Sozialleistungen und im Steuersystem, wie beispielsweise die Privilegierung der Minijobs, die immer noch unzureichende Betreuungsinfrastruktur, die Teilzeitfalle, und  Fehlanreize, die das Ehegattensplitting setzt. Sie alle sorgen nicht etwa für eine eigenständige soziale Absicherung von Frauen im Alter, sondern setzen noch immer auf das überholte Modell der Altersvorsorge durch den Mann.

Das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach prangert diesen Missstand zum wiederholten Mal an. Es ist 5 vor 12, da sind sich die Frauen im Bündnis einig.

Und ob der vorliegende Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen CDU und SPD an diesen Stellschrauben entscheidend was ändern wird, daran darf gezweifelt werden. Das Ende der Teilzeitfalle ist jedenfalls nicht in Sicht. Minijobs, die zu Minirenten führen, werden gestärkt und nicht abgebaut. Sachgrundlose Befristungen von Arbeitsverträgen, die insbesondere junge Frauen treffen, werden auch künftig einer soliden Lebens- und Familienplanung im Wege stehen.

 

Der IG Metall-Wecker: Es ist 5 vor 12

DGB

Schreib einen Denkzettel

Alle BesucherInnen der Suppenküche waren außerdem eingeladen, Kritik und Lob an den derzeitigen politischen Verhältnissen im Rahmen der Aktion Denkzettel  zu formulieren. Das Frauenbündnis wird die Denkzettel sammeln und an die betreffenden AdressatInnen weiterleiten.

 

Das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Landkreis Bad Kreuznach gründete sich im Januar 2017 auf Initiative der DGB-Frauen gegründet.

Mitglieder sind neben den DGB-Frauen auch die Frauengruppen von IG Metall, NGG und ver.di, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Bad Kreuznach, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bad Kreuznach, die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) im Dekanat Bad Kreuznach, die Evangelische Frauenhilfe im Kirchenkreis an Nahe und Glan, die Wohnungslosenhilfe Stiftung kreuznacher diakonie Cafe BUNT, sowie das Projekt „inklusiv leben lernen“.

Das Ziel des parteipolitisch neutralen Frauenbündnisses besteht darin, das Ausmaß der Armut von Frauen insbesondere im Alter in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Dabei sollen die Bedingungen aufgezeigt werden, die zu Altersarmut insbesondere bei Frauen führen. Das Bündnis will vor allen Dingen deutlich machen, was in Gesellschaft und im Arbeitsleben geändert werden muss, um Altersarmut von Frauen in Zukunft zu verhindern.


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